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Prof.
Dr. Dr. habil. Dietrich, Bayern: Herr Präsident! Meine Damen und
Herren! Ich kann mir zwei Vorbemerkungen nicht verkneifen. Herr Montgomery hat
auf die Hypo Real Estate hingewiesen und auf das Geld, das dort hineingeht.
Dazu möchte ich nur bemerken: Der Vorstand der Hypo Real Estate ist zumindest geflogen;
der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung ist immer noch im Amt. Der
war derjenige, der Ihnen die Katastrophe eingebrockt hat. Also auch hier
wieder: Kehren Sie bitte erst einmal vor der eigenen Tür, bevor Sie wieder nach
anderen Hilfen suchen oder andere beschuldigen.
Die zweite Bemerkung: Herr Hoppe,
Sie haben mir das Heft gezeigt, in dem wissenschaftlich über Priorisierung
berichtet wird. Genau das war der Punkt, den ich meinte: dass Sie an das Gute
im Menschen und das Gute im Arzt glauben. Ich glaube nicht daran. Wenn ich der
Herr S. aus Augsburg wäre und die Homepage über meine IGeL-Leistung hätte,
würde ich morgen Ihre Rede von heute Morgen auf meine Homepage stellen und
erklären: Herr Hoppe hat gesagt, man kann nicht mehr alles zahlen, also nehmt meine
IGeL-Leistung, das ist eine gute Medizin. Ihr müsst halt dafür zahlen.
Das meinte ich damit, völlig
unabhängig von dem, was irgendwelche Wissenschaftler über Priorisierung in
England oder in Schweden gesagt haben. Sie haben das Fass aufgemacht. Lesen Sie
die Überschriften von heute: Überall steht „Hoppe fordert eine Reduzierung der
kassenärztlichen Leistungen“. Das ist es, was rüberkommt. Das halte ich für
ganz, ganz schlecht.
Ein anderer Punkt, zu dem ich mich
eigentlich gemeldet habe, ist folgender. Unser Medizinsystem besteht doch nicht
nur aus ambulanter Medizin. Ich bin angestellter Arzt. Es gibt die Diskussion
hier: Es gibt überhaupt keine Krankenhausärzte, es gibt überhaupt keine
Krankenhausmedizin in einem besseren Gesundheitswesen. Warum eigentlich? Warum
reden wir nicht auch einmal
über die Situation in den Krankenhäusern? Wer ist es denn, der heute das Land
verlässt? Das sind hauptsächlich die jungen Ärzte. Vielleicht sind es auch die
Alten, die mit ihrer Familienplanung fertig sind, die gesettled sind, die noch
einmal ins Ausland gehen wollen. Aber die Jungen laufen uns weg. Die Jungen
kommen nicht aus Ihrer Situation, sie kommen nicht aus dem Lager der
Niedergelassenen. Sie kommen aus den Kliniken. Weshalb kommen sie aus den Kliniken?
Nicht, weil sie nicht mehr genug Geld haben – das Geld stimmt heute in den
Kliniken eigentlich –, aber die Verhältnisse, wie wir sie in vielen Kliniken
haben, gerade in den Universitätskliniken, bewirken das: Da herrscht noch
Kasernenhofatmosphäre, da herrscht ein Ton wie beim Militär. Das will sich ein
Jugendlicher heutzutage einfach nicht mehr antun. Der macht diese Geschichte
nicht mehr mit.
Insofern müssen wir auch einmal
über die Situation an den Kliniken reden. Wir müssen uns überlegen: Wie können
wir da etwas demokratischere, flachere Strukturen schaffen? Warum steht nicht
irgendwo einmal etwas über ein Consultant-System, das man auch bei uns
einführen kann, bei dem jemand auf Facharztstandard, auf Oberarztstandard
alleinverantwortlich ist? Die Alleinverantwortlichkeit passt übrigens zu dem
freiheitlichen ärztlichen Berufsbild, über das wir ja gemäß der Tagesordnung
noch sprechen werden.
Warum reden wir nicht darüber, dass
solche Strukturen auch bei uns an den Kliniken geschaffen werden? Dann würden
wir Ärzte schaffen, die gern in der niedergelassenen Praxis arbeiten, die nicht
unbedingt nach Schweden, Dänemark oder Frankreich auswandern wollen. Das
vermisse ich in der Diskussion sehr.
Danke sehr.
(Beifall)
Präsident Prof. Dr. Dr. h.
c. Hoppe: Schönen Dank, Herr Dietrich. – Der nächste Redner ist Herr Köhne
aus Aachen. Das liegt in Nordrhein.
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